Ist das noch Integrität – oder kann das weg?

Written by on 18. Mai 2021

Ist das noch Integrität – oder kann das weg?

Auch ich habe mich das schon hin und wieder gefragt.

Ich sage, was ich denke – und versuche dabei taktvoll zu sein. Ich tue, was ich sage. Und ich versuche zu sein, was ich tue. Das ist für mich Integrität. Doch oft habe ich mich in meinem Berufsleben gefragt: Sehen andere das genauso? Wie zum Beispiel, als ich für ein dem Shareholder Value verpflichtetes Unternehmen tätig war und von mir als CFO Beiträge zur Optimierung der Bottom Line gefordert waren. Doch die waren nicht im Einklang mit meinem Verständnis von Verantwortung, die ich nun einmal für Kollegen und Mitarbeiter hatte.

Warum sollte ich bei einer blendenden Performance in meinem Verantwortungsbereich die Boni der Mitarbeiter kürzen, die das Ergebnis erarbeitet haben? Nur damit noch mehr für die Shareholder übrig bleibt?

Warum sollte ich aus dem gleichen Grund die dringend nötigen Einstellungen in den operativen Bereichen verweigern, in denen Überstunden sowieso schon die Regel waren?


In solchen Situationen ist Standfestigkeit gefordert

Standfestigkeit ist wichtig – auch gegenüber den Eigentümern, die dich geholt haben und auch wieder wegschicken können. Und Standfestigkeit erfordert Integrität. Nur wenn du mit Integrität handelst, erlangst du längerfristig Glaubwürdigkeit.

Wenn du gerade als Führungskraft dauerhaft glaubwürdig und erfolgreich sein willst, dann

  • sollte dein Führungshandeln mit deinen Werten übereinstimmen. Das ist für mich Authentizität.
  • handelst du allen Stakeholdern gegenüber verantwortlich – nicht nur gegenüber den Eigentümern. Aber letztlich im Interesse ihres Eigentums, weil du im Sinne des langfristigen Unternehmenswertes arbeitest.
  • bist du in deinem Führungshandeln berechenbar und transparent. Dann wissen die Kolleginnen und Mitarbeiter meist schon vor dem Gespräch mit dir, wie es laufen wird.

Versteh mich nicht falsch

Es ist anstrengend und nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen, sich diese Art von Integrität zu bewahren. Ich behaupte auch nicht, dass mir das als Führungskraft immer uneingeschränkt gelungen ist. Aber dass ich es immerhin hier und da geschafft habe, war manchmal an den Reaktionen zu merken. Wenn ich im Meeting mit dem Shareholder den Satz „Frank, you seem to be in a phase of rage against the machine …” zurückgemeldet bekommen habe und rund um den Tisch plötzlich betretenes Schweigen herrschte, dann hatte ich anscheinend erkennbar Stellung bezogen.

Das war nicht immer zu meinem Vorteil, aber es sollte so sein.

Natürlich musste ich immer wieder neu entscheiden, wie die richtige Balance aussieht. Manchmal lag ich auch einfach falsch und hatte nicht das beste Argument auf meiner Seite. Aber ich arbeite daran, mir meine Integrität zu bewahren. Weil sie mir wichtig ist.

Wenn ich die eine oder andere aktuelle Meldung im aktuellen Manager Magazin lese, dann ahne ich, dass Integrität im von mir beschriebenen Sinne immer wieder mal unter die Räder zu kommen droht:

Das eine Unternehmen geht an die Börse – und wird direkt von den neuen Gesellschaftern verklagt. Ein anderes, sehr großes Unternehmen zahlt trotz Milliardenverlusten die Boni an die Führungskräfte aus. An wieder anderer Stelle wird nach Vorständen und leitenden Angestellten gefahndet.

Ja, es gibt immer Argumente für und gegen bestimmte Entscheidungen. Selten haben wir beim Blick von außen das ganze Bild vor Augen. Und Wirtschaft und Unternehmen haben es nicht leicht. Ihre Führungskräfte arbeiten exponiert und sind mit vielfältigen Anforderungen und Belastungen konfrontiert. Aber ich als denkende und fühlende Person habe jederzeit die Möglichkeit abzuwägen und mich zu entscheiden, ob ich im Einklang mit meinen Werten handle. Ob ich tun will, was von mir erwartet oder sogar eingefordert wird. Ob ich notfalls auch bereit bin, mit den Konsequenzen meines Führungshandelns zu leben.

Deswegen ist es so wichtig, immer wieder eine Analyse der eigenen Entscheidungen vorzunehmen und sie daraufhin zu prüfen, ob sie unseren eigenen Integritätsstandards entsprechen. Denn Integrität ist ein notwendiger und bleibender Wert – keine Modeerscheinung. Ein Wert, mit dem ich Glaubwürdigkeit aufbauen und bewahren kann. Ein Wert, ohne den Führungshandeln nicht nachhaltig erfolgreich sein wird. Und der deshalb als „The ART of Integrity“ ein unverzichtbarer Bestandteil des SMART Leadership Modells ist.


Wie ist eure Meinung dazu?

Meldet Euch gerne bei mir, abonniert den Blog, schreibt an info@smartleadership.today, lasst uns ins Gespräch kommen und unser Führungshandeln immer weiter verbessern.

BE.DIFFERENT.
LEAD.SMART.





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